Steuerungs-Retrofit: S5 und S7-300/400 ins TIA Portal migrieren

Ob S5 oder S7-Classic: Programm, Hardware und Visualisierung kommen auf S7-1500 oder S7-1200 mit WinCC Unified — oft ohne Schaltschrank-Neubau, mit einem Stillstandsfenster von Tagen statt Wochen.

für das Engineering, nach Bestandsaufnahme
Festpreis
getauscht — Schrank & Verdrahtung bleiben
CPU + I/O
Stillstand statt Wochen — vorher bekannt
wenige Tage
Schema · Komponenten-Retrofit S5 → S7-1500
Schema Komponenten-Retrofit im Bestandsschrank (Vorher/Nachher): altes S5-Rack wird ersetzt, neue S7-1500 auf der Hutschiene — Klemmen, Schütze und Verdrahtung bleiben

Kurz gesagt

Ob SIMATIC S5 oder S7-Classic, also S7-300/400 mit STEP 7 V5.x und WinCC flexible: Beide Ausgangslagen migrieren wir ins TIA Portal. Ziel ist eine S7-1500 oder S7-1200 mit WinCC Unified, meist im vorhandenen Schaltschrank. Die S5 hat seit 2020 keine Ersatzteilversorgung mehr, die S7-300 gibt es seit Oktober 2025 nur noch als Ersatzteil. Getestet wird auf echter Ziel-Hardware, bevor Ihre Anlage steht.

Warum jetzt?

Für die S5 ist die Frist bereits abgelaufen, für die S7-300 läuft sie. Diese Punkte bestimmen den Zeitplan:

  • Die S5 ist seit dem 30. September 2020 am Ende ihres Produktlebenszyklus — ohne Ersatzteile und Reparaturen von Siemens.
  • Die S7-300 ist abgekündigt: Seit dem 1. Oktober 2025 gibt es S7-300- und ET-200M-Baugruppen nur noch als Ersatzteil oder über Reparatur. Siemens nennt eine Verfügbarkeit bis 2033.
  • Die EU-Maschinenverordnung 2023/1230 gilt ab dem 20. Januar 2027 ohne Übergangsfrist — wer sein Retrofit 2026 abschließt und dokumentiert, bewertet noch nach den bekannten Regeln der alten Richtlinie.
  • Neue Anlagentechnik setzt auf PROFINET und OPC UA — die S5 kennt beides nicht, die S7-300 bindet sie nur eingeschränkt oder über Zusatzbaugruppen an.

Zwei Ausgangslagen, ein Ziel: TIA Portal

Der Weg ins TIA Portal hängt davon ab, was heute im Schrank steckt. CPU und I/O werden in beiden Fällen getauscht, der Unterschied liegt in der Software:

  • Von der S5: Zuerst wird das STEP-5-Programm gesichert, aus der CPU oder vom EPROM-Modul, dazu die Zuordnungsliste, falls noch vorhanden. Der S5/S7-Konverter aus STEP 7 V5.x setzt es in ein STEP-7-Projekt um; was er nicht übersetzen kann, wird von Hand nachgebaut. Das fehlerfrei übersetzte Projekt wird ins TIA Portal migriert und auf die S7-1500 umgestellt — oder, bei stark gewachsenen Programmen, strukturiert neu aufgebaut.
  • Von S7-300/400: Das konsistente STEP-7-V5.x-Projekt wird ins TIA Portal migriert, seit TIA Portal V21 über das Migration Tool und TIA Portal V20. Die PLC-Migration stellt das Programm auf die S7-1500 um, die Hardware-Konfiguration wird neu angelegt, offene Punkte nennt das Migrationsprotokoll. AWL läuft auf der S7-1500 weiter, die S7-1200 kennt nur KOP, FUP und SCL. WinCC flexible lässt sich nicht direkt nach WinCC Unified übernehmen — die Visualisierung wird neu aufgebaut, Texte lassen sich teilweise werkzeuggestützt übertragen.

Kein Offline-Projekt mehr? Reverse Engineering und Re-Dokumentation

Bei Altanlagen ist das Original-Projekt oft verloren — die Ersteller-Firma existiert nicht mehr, übrig bleibt nur der Online-Abzug aus der CPU. Der enthält weder Symbolik noch Netzwerkkommentare, und ohne die SCL-Quellen zeigt der Editor statt strukturiertem Code nur rohes AWL. Bei der S5 fehlt oft auch die Zuordnungsliste. So ein Programm 1:1 hochzuziehen, würde die Unlesbarkeit nur konservieren. Stattdessen entsteht eine neue, saubere Programmbasis:

  • Reverse Engineering vor dem Neuaufbau: Aufrufstruktur, Querverweise und Datenbausteine werden analysiert und als Funktionsbeschreibung dokumentiert — abgeglichen mit der laufenden Anlage.
  • Symbolik aus dem Stromlaufplan: Die Symboltabelle wird aus Ihren Schaltplänen rekonstruiert — auch aus eingescannten PDFs, KI-gestützt extrahiert und nach einheitlicher Namenskonvention aufgebaut.
  • Logik bleibt, Lesbarkeit kommt: Der Online-Abzug dient als Referenz für die eingespielte Anlagenlogik, umgesetzt wird durchgängig in FUP — mit Netzwerkkommentaren und sprechenden Datenbaustein-Namen.
  • Danach versteht auch der nächste Instandhalter, was die Anlage tut — Erweiterungen und Fehlersuche sind kein Blindflug mehr.
Vorher-Nachher-Vergleich aus einem realen Retrofit ohne Offline-Projekt (anonymisiert): links roher AWL-Code ohne Symbolik aus dem Online-Abzug (FC55, FC170), rechts dieselben Bausteine nach dem Neuaufbau im TIA Portal — FUP mit Symbolik, Netzwerktiteln und sprechenden Datenbaustein-Namen

Komponenten-Retrofit statt Komplettumbau

Ist der Schaltschrank mechanisch und elektrisch in Ordnung, wird nur die Automatisierungsebene getauscht: CPU, I/O-Baugruppen und Bediengerät. Klemmen, Leitungsschutz und Verdrahtung bleiben. Ein reales Beispiel aus der Region Saar-Lor-Lux: S7-300 raus, S7-1200 samt Unified Basic Panel rein — im vorhandenen Schrank, auf der vorhandenen Verdrahtung, mit nachgeführten Stromlaufplänen. Aus einer Hand und deutlich günstiger als jedes Komplettumbau-Angebot.

So läuft Ihr Retrofit ab

Sechs Schritte vom Altbestand zur modernen Steuerung:

  1. Bestandsaufnahme — das SPS-Programm ist die Source of Truth, die Stromlaufpläne werden dagegen abgeglichen; fehlt das Offline-Projekt, wird der Online-Abzug gesichert und die Symbolik aus den Stromlaufplänen rekonstruiert.
  2. Hardware-Mapping — jede Baugruppe bekommt ihren Nachfolger; Eingriffe in Sicherheitsfunktionen werden vor der Beauftragung benannt, damit Ihre sicherheitstechnische Bewertung nicht nachträglich aufreißt.
  3. Programm im TIA Portal — Symbolik und Bausteine nach Standard statt 1:1-Hochzug; die eingespielte Anlagenlogik bleibt erhalten.
  4. HMI-Neuaufbau — WinCC Unified mit durchgängigem Bildkonzept und Web-Zugriff statt hochgezogener WinCC-flexible-Bilder.
  5. End-to-End-Test — das Gesamtsystem läuft vorab im Prüfaufbau auf der echten Ziel-Hardware; jeder Taster, jede Meldung, jeder Sensor.
  6. Inbetriebnahme & Übergabe — mit geänderten Stromlaufplänen, Symboltabellen, HMI-Doku und den Sicherheitsnachweisen aus der Software.

Bezahlbar durch Struktur und Werkzeuge

Ein Verantwortlicher statt vieler Abteilungen, KI-beschleunigtes Engineering für die Fleißarbeit — bezahlt wird die Arbeit, die Erfahrung braucht. Wichtig: In der Steuerung selbst läuft keine KI. Die SPS arbeitet mit deterministischer, getesteter Logik — so wie es Sicherheit und Normen verlangen. Als Bonus erhält die Anlage mit OPC UA eine genormte, lesende Datenschnittstelle — die Grundlage für Monitoring und Auswertungen.

Häufige Fragen

Wer migriert S5 und S7-300 als externer Dienstleister ins TIA Portal?

Beide Ausgangslagen übernehmen wir: S5 sowie S7-300/400 mit STEP 7 V5.x und WinCC flexible, Ziel ist eine S7-1500 oder S7-1200 mit WinCC Unified. Dazu gehören Bestandsaufnahme, Re-Dokumentation undokumentierter Altprogramme, Programm und Visualisierung im TIA Portal, Test auf echter Ziel-Hardware, Inbetriebnahme und Übergabe. Sitz ist Luxemburg, Einzugsgebiet Saar-Lor-Lux und die Schweiz, Projekte im gesamten DACH-Raum, Inbetriebnahme weltweit.

Kann ein S5-Programm direkt ins TIA Portal übernommen werden?

Nicht in einem Schritt. Der Weg führt über STEP 7 V5.x: Der S5/S7-Konverter setzt das STEP-5-Programm in ein STEP-7-Projekt um, nicht übersetzbare Anweisungen werden von Hand nachgearbeitet. Erst dieses Projekt lässt sich ins TIA Portal migrieren und auf eine S7-1500 umstellen — bei stark gewachsenen Programmen ist ein strukturierter Neuaufbau oft sinnvoller.

Was bedeutet die Abkündigung der S7-300 für unsere Anlage?

Die Anlage läuft weiter, aber Ersatzteile werden knapper. Seit dem 1. Oktober 2025 liefert Siemens S7-300- und ET-200M-Baugruppen nur noch als Ersatzteil oder über Reparatur, die Verfügbarkeit ist bis 2033 angegeben. Das ist kein Zwang zum sofortigen Umbau, aber ein Zeitfenster, um die Migration zu planen statt sie nach einem Ausfall unter Zeitdruck umzusetzen.

Läuft unser AWL-Code auf der S7-1500 weiter?

Grundsätzlich ja, die S7-1500 unterstützt AWL. Einzelne Konstrukte wie das Master Control Relay oder die Befehle ENT und LEAVE gibt es dort nicht mehr; das Migrationsprotokoll listet sie, angepasst wird von Hand. Die S7-1200 kennt kein AWL, dort entstehen die Bausteine in KOP, FUP oder SCL neu.

Was kostet ein Steuerungs-Retrofit?

Ein Komponenten-Retrofit ist meist deutlich günstiger als ein kompletter Schaltschrank-Neubau, weil Schrank und Verdrahtung bleiben. Den konkreten Rahmen liefert die Bestandsaufnahme: Danach bieten wir das Engineering zum Festpreis an, die Inbetriebnahme rechnen wir in der Regel nach Aufwand ab, weil sie von den Vorleistungen der Mechanik und Elektrik abhängt. Getauscht wird nur die Automatisierungsebene; wie groß der Umfang ausfällt, hängt am Bestand. Deshalb steht die Bestandsaufnahme am Anfang, vor jeder Schätzung.

Wie lange steht meine Anlage still?

Programmierung und der komplette Systemtest laufen vorab im Prüfaufbau — an der Anlage wird nur noch umgebaut, geprüft und angefahren. Das Stillstandsfenster liegt dadurch typischerweise bei einem verlängerten Wochenende bis wenigen Tagen und ist vor dem Umbau bekannt.

Wir haben kein Offline-Projekt mehr, nur die laufende Anlage — geht ein Retrofit trotzdem?

Ja — dieser Fall ist häufiger, als man denkt. Aus der CPU wird der Online-Abzug gesichert; er liefert die Anlagenlogik, auch wenn Symbolik, Kommentare und SCL-Quellen fehlen. Die Symboltabelle wird aus den Stromlaufplänen rekonstruiert, das Programm anschließend lesbar in FUP neu aufgebaut statt unlesbar hochgezogen. Streng genommen ist das keine Migration mehr, sondern eine Neuprogrammierung — mit dem Vorteil, dass Ihre Anlage danach wieder eine dokumentierte, wartbare Software-Basis hat.

Muss der Schaltschrank erneuert werden?

In den meisten Fällen nicht: Getauscht wird die Automatisierungsebene, der Schrank samt Verdrahtung bleibt. Falls der Schrank doch am Ende ist, übernimmt eine Schaltschrankbau-Partnerfirma den Neubau — Software, Visualisierung und Inbetriebnahme bleiben aus einer Hand.

Welche Unterlagen bekomme ich zur Übergabe?

Geänderte Stromlaufpläne, die den realen Endzustand der Anlage zeigen, vollständige Symboltabellen und Bausteindokumentation, HMI-Bedienungsdokumentation sowie die Einweisung von Bedienern und Instandhaltung. Bei Failsafe-Programmen kommen die Sicherheitsnachweise aus der Software dazu: beschriebene Sicherheitsfunktionen, erreichter Performance Level, F-Parameter und Prüfprotokolle. Was wir nicht übernehmen, ist die CE-Bewertung selbst — wir erbringen Software- und Engineering-Leistungen und bringen keine Maschine in Verkehr. Konformitätsbewertung und Erklärung bleiben beim Betreiber beziehungsweise beim Maschinenhersteller; unsere Unterlagen fließen dort als Nachweise ein. Alle Details zum Ablauf stehen im Retrofit-Leitfaden im Blog.

Bestandsaufnahme statt Bauchgefühl

Baugruppen-Risikoliste, Programm- und Doku-Check, belastbarer Kostenrahmen — als eigenständige, überschaubare Leistung vor jeder Festlegung.

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